Aus dem »Mal ein bisschen Laufen« wurde ein Verlaufen. Einmal falsch abgebogen, ein »dieser Weg endet gleich und ist sowieso privat« Schild ignoriert, vermutlich einen Landfrieden gebrochen und plötzlich hatten wir den Berg vor uns wie eine Schrankwand — massiv, senkrecht, weglos — wenn auch ein wenig höher.
Aber jetzt aufgeben? Die 400 Meter zur Straße zurücklaufen?
Nö! Außerdem – das weiß ich noch von früher – unterliegt jede Schrankwand irgendwann einmal der Erstbesteigung.
Wir serpentienen uns also behäbig in die Höhe, quetschen uns an Bäumen vorbei, zwängen uns durch Gesträuch, finden eine getretene Spur, folgen ihr wie die Maus dem Käsegeruch, enden in Dornengestrüpp und … plötzlich kippt die Schrankwand … nach vorne? … nach hinten? … wird der Boden weniger Wand und deutlich flacher. In erreichbarer Nähe schimmert ein echter Weg durch die Bäume.
Das Gehirn hat endlich genug Sauerstoff, um die Welt scharf zu stellen. Die Gegend sieht wieder nach was aus und glitzert zwischen den Zweigen. Es riecht nach regenfeuchtem Holz. Modergeruch steigt aus dem Laub am Boden.
Ach, verlaufen kann schon schön sein, wenn man’s bis zum Ende geschafft hat.
